Ist Sauerkraut probiotisch? Roh, pasteurisiert und was auf dem Etikett steht

Sauerkraut ist fermentiert, aber nicht automatisch probiotisch. Was roh und pasteurisiert unterscheidet, was Kefir leistet und was Studien belegen.

Kurz gesagt

Sauerkraut ist fermentiert, aber nicht automatisch probiotisch. Frisches, nicht pasteurisiertes Sauerkraut enthält lebende Milchsäurebakterien. In pasteurisiertem Sauerkraut sind sie durch die Hitze abgestorben, die Ballaststoffe bleiben. „Probiotisch“ im strengen Sinn heißt, dass der Nutzen eines lebenden Stamms belegt ist, und das gilt für Sauerkraut nicht. Auf Lebensmitteln darf der Begriff laut Verbraucherzentrale ohnehin nicht als Werbeaussage stehen. Sauerkraut bleibt trotzdem ein gutes Gemüse.

Das Wichtigste

  • Fermentiert beschreibt den Herstellungsprozess, probiotisch einen belegten Nutzen lebender Stämme. Sauerkraut ist das Erste, aber nicht das Zweite.
  • Frisches, nicht pasteurisiertes Sauerkraut hat lebende Milchsäurebakterien, pasteurisiertes nicht. Bei beiden bleiben die Ballaststoffe des Kohls.
  • In einer Studie mit 87 gesunden Menschen veränderten vier Wochen täglich 100 g Sauerkraut, roh oder pasteurisiert, nur einzelne Bakterienarten. Das Mikrobiom gesunder Menschen ist dafür ziemlich robust.
  • In einer kleinen US-Studie stieg die Vielfalt der Darmbakterien bei einer Ernährung reich an fermentierten Lebensmitteln.
  • Kefir, Joghurt und Dickmilch aus dem Kühlregal enthalten lebende Kulturen. Gesundheitsversprechen wie „stärkt das Immunsystem“ sind nicht belegt.

Fermentiert ist nicht probiotisch

Ein internationales Expertengremium hat fermentierte Lebensmittel 2021 definiert als Lebensmittel, die durch gewünschtes mikrobielles Wachstum und enzymatische Umwandlung von Lebensmittelbestandteilen hergestellt werden. Das beschreibt den Prozess. Ob beim Essen noch Mikroben leben, sagt die Definition nicht.1

„Probiotisch“ ist enger gefasst: lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge einen gesundheitlichen Nutzen bringen.2 Die Verbraucherzentrale ergänzt die Rechtslage: Für Lebensmittel gilt „probiotisch“ als nicht zugelassene gesundheitsbezogene Angabe, weil die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bislang keine Aussage zu Probiotika bestätigt hat. Eine Ausnahme gibt es: Lebende Joghurtkulturen dürfen mit der Aussage beworben werden, dass sie die Verdauung von Milchzucker bei Menschen mit Laktoseproblemen verbessern.4 Deshalb findest du auf Packungen kaum noch das Wort, sondern Angaben zu den Bakterienstämmen.

Sauerkraut: roh oder pasteurisiert

Die Milchsäurebakterien sitzen von Natur aus auf den Kohlblättern und vermehren sich in der Salzlake stark, erklärt die Tumorepidemiologin Karin Michels von der Universität Freiburg im Öko-Test. Pasteurisiertes Sauerkraut verliert die Bakterien durch die Hitze und einen Großteil der hitzeempfindlichen Vitamine, vor allem Vitamin C. Michels geht davon aus, dass die Stoffwechselprodukte der Bakterien, die kurzkettigen Fettsäuren, erhalten bleiben. Sie ist selbst Letztautorin einer Studie dazu: In einem Crossover-Versuch aßen 87 gesunde Menschen vier Wochen lang täglich 100 g frisches oder pasteurisiertes Sauerkraut. Gemessen wurden Veränderungen bei einzelnen Bakterienarten, bei pasteurisiertem Sauerkraut stärker, und nur dort stiegen kurzkettige Fettsäuren im Blut. Die Autorinnen und Autoren schließen, dass das Mikrobiom Gesunder gegenüber kurzfristigen Ernährungsänderungen recht robust ist.10

Das dämpft die Erwartung: Bei Gesunden verschob Sauerkraut in vier Wochen nur einzelne Arten, nicht das ganze Bild. Nutzen könnte es nach Michels eher für Menschen mit gestörter Darmflora haben, wann sich Effekte zeigen, sei individuell.3 Als Kohlgemüse bringt Sauerkraut in jeder Form Ballaststoffe mit, laut USDA etwa 3 Gramm pro 100 Gramm.7 Abgetötete Mikroben und ihre Bestandteile nennen Fachleute Postbiotika. Ob sie einen Nutzen haben, muss im Einzelfall gezeigt werden.8

Das Etikett lesen

Bei verpackter Ware entscheidet das Etikett. Steht dort „pasteurisiert“ oder „erhitzt“, sind die Bakterien tot.3 Nach dem Expertengremium darf ein Hersteller „lebende und aktive Kulturen“ angeben, wenn das Lebensmittel nicht so verarbeitet wurde, dass die Mikroorganismen abgetötet werden, und sie in der erwarteten Menge vorhanden sind. Für pasteurisierte Ware ist die Bezeichnung „durch Fermentation hergestellt“ üblich.1

  • Gute Zeichen: „roh“, „unpasteurisiert“, „lebende Kulturen“, eine kurze Zutatenliste aus Kohl und Salz, Lagerung im Kühlregal.
  • Warnzeichen: „pasteurisiert“, „erhitzt“, Essig in den Zutaten, Lagerung bei Raumtemperatur im Regal.

Kühlregal und Essig sind unsere eigenen Faustregeln und nicht die des Gremiums. Ausnahmen gibt es, im Zweifel gilt das Etikett.

Was lebt, was nicht

Lebensmittel Lebende Kulturen? Quelle
Kefir Ja, Bakterien und Hefen Apotheken Umschau
Joghurt Ja, weniger Stämme als Kefir Apotheken Umschau
Dickmilch Ja Apotheken Umschau
Buttermilch Meist keine lebenden Kulturen im Handel Apotheken Umschau
Ayran Nein, verdünnt aus Joghurt Apotheken Umschau
Kombucha Ja Apotheken Umschau
Sauerkraut, frisch, nicht pasteurisiert Ja Öko-Test
Sauerkraut, pasteurisiert Nein Öko-Test

Die Angaben zu Kefir, Joghurt, Dickmilch, Buttermilch, Ayran und Kombucha stammen aus einer Vergleichstabelle der Apotheken Umschau.6 Die zu Sauerkraut aus dem Öko-Test-Gespräch mit Karin Michels.3

Und Kefir?

Kefir lebt ebenfalls von Bakterien und Hefen, ist aber ein eigenes Thema mit eigener Studienlage. Wie er entsteht, was Studien zeigen und worauf du beim Kauf achtest, steht in Ist Kefir gesund?.

Was die Forschung zum Essen von Fermentiertem sagt

Die Verbraucherzentrale nennt Sauermilchprodukte aus dem Kühlregal wie Joghurt, Kefir, Ayran, Lassi und Dickmilch sowie milchsauer vergorene Bohnen, Möhren und Sauerkraut als günstig für die Darmflora, und möglicherweise auch für das Immunsystem. Sie weist aber darauf hin, dass Aussagen wie „stärkt die Abwehr“ nicht belegt sind.4

Eine kleine Studie der Stanford University untersuchte 36 gesunde Erwachsene mit einer 10 Wochen langen Ernährungsphase (17 Wochen insgesamt, mit Vor- und Nachlauf). In der Gruppe mit vielen fermentierten Lebensmitteln stieg die Vielfalt der Darmbakterien stetig, und Entzündungsmarker sanken. Eine Gruppe mit viel Ballaststoffen zeigte bei stabiler Vielfalt mehr Enzyme für den Abbau von Pflanzenfasern.5 Beides spricht eher dafür, Ballaststoffe und Fermentiertes zu kombinieren, als sie gegeneinander auszuspielen. Welche Mengen du für Ballaststoffe brauchst, steht in Ballaststoffe pro Tag.

Wer vorsichtig sein sollte

Für die gesunde Allgemeinbevölkerung gelten Lebensmittel mit probiotischen Bakterien als unbedenklich. Bei Immunschwäche und schweren Erkrankungen nicht, auch bei Magen-Darm-Erkrankungen ist Vorsicht angebracht, und bei einer akuten Magen-Darm-Grippe sollte man darauf verzichten.4 Sauerkrautsaft hat keine Ballaststoffe, ist meist pasteurisiert und wirkt leicht abführend. Vorsicht bei Histaminintoleranz, Reizdarm und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.3 Wer auf schnell vergärbare Kohlenhydrate empfindlich reagiert, sollte bei Produkten mit zugesetztem Inulin oder FOS aufpassen.4

Häufige Fragen

Ist Sauerkraut probiotisch?

Nur im weiten Sinn, wenn es frisch und nicht pasteurisiert ist und lebende Milchsäurebakterien enthält. Im engen Sinn gilt als probiotisch, wenn lebende Mikroorganismen in ausreichender Menge einen gesundheitlichen Nutzen bringen und dieser für den Stamm belegt ist. Das ist für Sauerkraut nicht gezeigt.

Wo finde ich Sauerkraut mit lebenden Milchsäurebakterien?

Öko-Test nennt den Wochenmarkt, besonders im Winter, als Quelle für frisches, nicht pasteurisiertes Sauerkraut. Bei verpackter Ware hilft der Blick aufs Etikett: Steht dort „pasteurisiert“ oder „erhitzt“, sind die Bakterien tot.

Ist pasteurisiertes Sauerkraut nutzlos?

Nein. Die Ballaststoffe bleiben, ebenso Stoffwechselprodukte der Bakterien wie kurzkettige Fettsäuren, nach der Aussage der Epidemiologin Karin Michels. Vitamin C geht dagegen zu einem großen Teil verloren.

Ist Kefir gesund?

Kefir hat lebende Bakterien und Hefen, die Studienlage dazu haben wir in einem eigenen Artikel zu Kefir zusammengefasst.

Kann ich zu viel Sauerkraut oder Kefir essen?

Für die gesunde Allgemeinbevölkerung gelten diese Lebensmittel nach der Verbraucherzentrale als unbedenklich. Bei Immunschwäche, schweren Erkrankungen oder Magen-Darm-Erkrankungen sollte man vorsichtig sein und es mit der Praxis besprechen. Bei akuter Magen-Darm-Grippe rät die Verbraucherzentrale davon ab.

Quellen

Zahlen, Studienergebnisse und offizielle Empfehlungen in diesem Artikel stammen aus diesen Quellen. Praktische Tipps zum Kochen und Einkaufen sind unsere eigene Einschätzung.

  1. Marco ML, et al. The International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics (ISAPP) consensus statement on fermented foods. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology. 2021;18(3):196-208. doi.org
  2. Hill C, et al. The ISAPP consensus statement on the scope and appropriate use of the term probiotic. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology. 2014;11(8):506-514. doi.org
  3. Öko-Test. Fakt oder Hype: Ist Sauerkraut wirklich so gut für den Darm? (mit Karin Michels, Universität Freiburg). oekotest.de
  4. Verbraucherzentrale. Lebensmittel mit speziellen Bakterienkulturen (früher: Probiotika). Stand 20.05.2026. verbraucherzentrale.de
  5. Wastyk HC, et al. Gut-microbiota-targeted diets modulate human immune status. Cell. 2021;184(16):4137-4153. doi.org
  6. Apotheken Umschau. Kefir: Nährstoffe, Wirkung und Tipps für den Einkauf. 12.06.2026. apotheken-umschau.de
  7. U.S. Department of Agriculture. FoodData Central, SR Legacy (Release April 2018): Sauerkraut, canned, solids and liquids. fdc.nal.usda.gov
  8. Salminen S, et al. The ISAPP consensus statement on the definition and scope of postbiotics. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology. 2021;18(9):649-667. doi.org
  9. Schropp N, Bauer A, Stanislas V, Huang KD, Lesker TR, Bielecka AA, Strowig T, Michels KB. The impact of regular sauerkraut consumption on the human gut microbiota: a crossover intervention trial. Microbiome. 2025;13:52. doi.org

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine medizinische Beratung. Wenn du anhaltende Verdauungsbeschwerden, eine diagnostizierte Erkrankung wie Reizdarm oder CED hast oder schwanger bist, sprich vor einer Ernährungsumstellung mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft.

Fühl dich besser von innen heraus.

Fotografier eine Mahlzeit und sieh Ballaststoffe in Gramm, deine Pflanzen der Woche und einen Darm-Score von 0 bis 100.

Laden im  App Store